Rolf-Göran Bengtsson holte ersten EM-Titel für Schweden - Deutschland souveräner Mannschafts-Europameister
Nach dramatischem Verlauf holte der Schwede Rolf-Göran Bengtsson bei der Spring-EM in Madrid Gold im Einzelbewerb. In überlegener Manier holten Marco Kutscher, Carsten-Otto Nagel, Ludger Beerbaum und Janne-Friederike Meyer Gold im Nationenpreis...
Nach dramatischem Verlauf holte der Schwede Rolf-Göran Bengtsson bei der Spring-EM in Madrid Gold im Einzelbewerb. Silber ging an den Deutschen Carsten-Otto Nagel, Bronze an den Briten Nick Skelton.
Welch eine Dramatik! Die beiden Umläufe des Finales der Europameisterschaften im Club de Campo Villa de Madrid brachten einen beständigen Wechsel in der Führung: Vor den beiden Umläufen hatte noch der Deutsche Carsten-Otto Nagel mit Corradina die Spitzenposition eingenommen. Nach einem Abwurf im ersten Umlauf sowohl von ihm als auch von Nick Skelton mit Carlo übernahm zwischenzeitlich der zuvor an dritter Stelle rangierende Niederländer Gerco Schröder mit New Orleans die Führung. Die schwedischen Olympia-Zweiten Rolf-Göran Bengtsson und Ninja La Silla arbeiteten sich mit einer Nullrunde von Rang fünf auf vier vor.
Als sie erneut fehlerfrei im zweiten Umlauf blieben und nur auf 6,77 Punkte im EM-Endstand kamen, Nick Skelton aber erneut einen Abwurf (9,04) hatte, war sicher, dass es zumindest die Bronzemedaille für den Schweden sein würde. Auf Silber rückte Bengtsson vor, als auch Carsten-Otto Nagel ebenso wie zuvor dem Briten Nick Skelton ein Abwurf an der Zweifachen Kombination auf der Schlusslinie unterlief. Mit 8,69 Punkten hatte Nagel zumindest Bronze noch erhalten können.
Gerco Schröder durfte sich einen Abwurf leisten und hätte immer noch den Europameistertitel gewonnen. Am Hindernis fünf passierte der erste Fehler, der zweite folgte am letzten Hindernis, dem Abschluss einer Reihe von einer Dreifachen Kombination und zwei weiteren Einzelsprüngen. Damit hatte der Niederländer nicht nur Gold verloren, sondern rutschte mit 9,54 Strafpunkten im Endklassement auf den undankbaren vierten Rang ab. Sensationell Fünfter wurde der Schwede Henrik von Eckermann mit dem Schimmelhengst Coupe de Couer.
Erster EM-Titel für Schweden
Mit dem Titelgewinn schrieb der 49-jährige Europameister Bengtsson, der bereits 2001 EM-Bronze und 2008 Olympisches Silber in Hongkong gewonnen hatte, schwedische Reitsportgeschichte, denn es ist der erste EM-Titel für sein Land. „Nach meinem Fehler an der Triplebarre im zweiten Umlauf des Nationenpreises hatte ich nicht mehr mit einer Medaille gerechnet. Ich habe es meinen Kollegen zu verdanken, dass ich heute ganz oben auf dem Treppchen stehe. Olympische Spiele sind in der Wertigkeit natürlich noch einmal zwei Stufen höher als Europameisterschaften, aber in der Mitte des Treppchen zu stehen und seine Nationalhymne zu hören, ist doch noch etwas ganz Besonderes,“ so der glückliche, immer bescheiden auftretende Sieger.
Nagel: „Hätte es Corradina gewünscht“
Gemischte Gefühle hatte hingegen Carsten-Otto Nagel, der nach dem Finale meinte: „Ich hätte es vor allem Corradina gewünscht. Sie hätte verdient, ganz oben zu stehen. Sie ist etwas ganz Besonderes und hätte es drauf gehabt, aber ich habe es vermasselt. Ich dachte, ich könnte dem Druck, als Führender in die letzte Prüfung zu gehen, besser standhalten. Aber, es ist dann doch etwas anderes. Ich bin im ersten Umlauf nicht optimal an den Oxer gekommen. Ich hatte vorgehabt, einen Galoppsprung mehr zu machen, das wäre besser gewesen. Im zweiten Umlauf, dieser Fehler an der Dreifachen Kombination kann immer schnell passieren.“ Nick Skelton war mit seiner Bronzemedaille sichtlich zufrieden und zollte dem spanischen Parcourschef Santiago Varela großes Lob: „Ich bin schon 25 Meisterschaften geritten, aber das ist das erste Championat, bei dem ich am Ende das Gefühl habe, dass mein Pferd nicht leer ist, sondern nächste Woche schon wieder auf ein Turnier gehen könnte.“
Birgit Popp/Pferdplus
Quelle: www.pferdplus.com
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Deutschland souveräner Mannschafts-Europameister
In überlegener Ma
nier holten Marco Kutscher, Carsten-Otto Nagel, Ludger Beerbaum und Janne-Friederike Meyer Gold im Nationenpreis der Spring-Europameisterschaften in Madrid – Silber ging an Frankreich, Bronze an Großbritannien.
Mit den drei fehlerfreien Ritten von Marco Kutscher/Cornet Obolensky, Carsten-Otto Nagel/Corradina und Ludger Beerbaum/Gotha – blieb das Punktekonto des deutschen Quartetts am Freitag in der zweiten Runde des Nationen-Preises unbelastet und Deutschland siegte mit 10,41 Strafpunkten aus Zeitspringen und den beiden Umläufen des Nationen-Preises in der Entscheidung um den Mannschafts-Europameistertitel. Schon nach dem dritten deutschen Mannschaftsreiter hatte trotz eines unglücklichen Abwurfs von Janne-Friederike Meyer und Cellagon Lambrasco am vorletzten Sprung der europäische Titelgewinn der amtierenden Weltmeister festgestanden.
Ebenfalls keine Strafpunkte musste Frankreich auf sein Punktekonto hinzufügen, nachdem es in der ersten Runde des Nationen-Preises von Platz eins auf drei hinter den Niederlanden und Deutschland abgerutscht war. Mit 15,95 Punkten wurden die WM-Dritten nun Vize-Europameister. Spannend bis zum letzten Ritt wurde es hingegen um Platz drei. Nach ihrer fehlerfreien Vorstellung am Vortag musste das in Führung liegende Team aus den Niederlanden insgesamt 16 Strafpunkte kassieren. Nach einer erneuten Nullrunde von Gerco Schröder mit New Orleans hätte ein Vier-Fehler-Ritt von Jeroen Dubbeldam und Simon noch zu Bronze gerreicht, doch nach acht Strafpunkten wurde es nur der undankbare vierte Platz (23,42).
Stattdessen ging Bronze (22,46) an Großbritannien, was nach ebenfalls einer Acht-Fehler-Runde von Schlussreiter John Whitaker und dem erst seit gut einem Monat nach längerer Verletzungspause wieder im Turniereinsatz befindlichen Peppermill schon nicht mehr daran geglaubt hatte. Entscheidend zum britischen Erfolg beigetragen hatte Nick Skelton mit einer Doppelnullrunde auf dem Holsteiner Wallach Carlo, die nun im Zwischenstand an zweiter Stelle (1,04) rangieren.
Mit ebenfalls einer weiteren Nullrunde behauptete der deutsche Vize-Europameister, Mannschafts-Weltmeister und WM-Fünfter der Einzelwertung, Carsten-Otto Nagel mit Corradina seine Führung (0,69) in der Einzelwertung. Der Holsteiner strotz vor Selbstsicherheit, „Ich kann mir einen Sieg nur noch selbst verbauen, aber ich weiß nicht, was uns passieren sollte. Corradina spielt so gut mit und sie war kein bisschen müde. Ich glaube, sie genießt sogar die Hitze und die Sonne. Ich muss positiv denken, aber natürlich liegen noch zwei schwere Runden am Sonntag vor uns und ein Fehler ist immer schnell passiert.“
Besonders glücklich war auch Ludger Beerbaum über seine Nullrunde mit Gotha und die von seinem Stallangestellten Marco Kutscher: „Auch, wenn wir die Goldmedaille schon sicher hatten, so wollte ich doch meine Nominierung gerne mit einer Nullrunde rechtfertigen. Mit Gotha hat für mich die Goldmedaille, meine sechste bei Europameisterschaften, einen sehr hohen Stellenwert. Es ist für unseren Stall nun auch das erste Mal seit drei Jahren, dass wieder zwei Reiter im Team sind.“
Zusätzlich freuen durfte sich Ludger Beerbaum über die gelungene Leistung seines Angestellten Henrik von Eckermann, der mit einer Doppel-Vier-Fehlerrunde mit Coupe de Coeur, den er erst seit sechs Wochen aus einer Notlösung heraus reitet, entscheidend zum fünften Platz des schwedischen Teams und damit zur Olympia-Qualifikation seines Landes beitrug. Ebenfalls qualifiziert haben sich mit Platz vier die Niederlande und mit Platz sechs die Schweiz. Deutschland, Belgien (7.) und Frankreich als auch das Gastgeberland Großbritannien waren bereits vor Madrid für London 2012 qualifiziert.
Birgit Popp/Pferdplus
Alle Ergebnisse gibt’s auf www.europeanjumping2011.com
Quelle: www.pferdplus.com


